Unwetter vom 8. August 1902

Am Abend des 8. August 1902 ballte sich "ein Ungewitter im Einzugsgebiete der Lauwi und der Grossteilerbäche zusammen, das in kurzer Zeit zu einem Wolkenbruch ausartete und diese Gewässer in furchtbar gefahrdrohender Weise anschwellen machte. Leider waren die scheinbar jeder Gefahr zum Trotz erbauten grossartigen Vorsicherungswerke nicht imstande, diesem Ansturm zu widerstehen. Die 10 Talsperren im hintern Lauwibett unterhalb den Hinterbrenden sind spurlos verschwunden, die gewaltigen Sperren beim Abensitli, von denen eine gerade am selben Mittag fertig geworden, wurden, trotzdem sie aus grösstenteils  riesigen Steinen konstruiert waren, ebenfalls in wenig Augenblicken weggespült". So steht es im Obwaldner Volksfreund vom 13.8.1902 zu lesen.

 

Auch im Rotmoosgraben, der in die Laui mündet, wurden sämtliche Sperren und im untersten Teil die Schale grösstenteils weggeschwemmt.

 

Beim Zimmerplatz brach dann die Laui aus ihrem Bachbett aus und wälzte sich durch den Grundwald dem Grossteilerboden zu. Hier gab es kaum ein Heimwesen, das von der Überschwemmung nicht betroffen war. Noch lange floss das Lauiwasser direkt dem Sarnensee zu, wie mündlich überliefert wird.

 

Auch die übrigen Grossteilerbäche traten über die Ufer, richteten aber weniger Schaden an den Verbauungen an, vernichteten aber manche Burde Emd.

 

Der Steinibach floss längere Zeit über die Allmend nach dem Gsangli herunter in den See (eigentlich müsste es hier Gang heissen). Der angerichtete Schaden war hier nicht so bedeutend.

 

Auch in Wilen und Sarnen waren Schäden von über Fr. 7000.- zu verzeichnen.

 

Angesichts der riesigen Schäden an den verschiedenen Verbauungen - man hatte bereits über Fr. 250'000.- investiert - fragten sich viele ganz ernsthaft, ob es sich lohnen würde, wieder an den Aufbau neuer Sperren zu gehen.

 

Eine kantonale Schatzungskommission vom Giswiler Gemeinderat angefordert legte die Schadensumme für Giswil auf rund Fr. 36'000.- fest, nicht inbegriffen die Schäden an zerstörten Verbauungen und Wuhren.

 

Im Obwaldner Amtsblatt gab es einen Aufruf zu einer "Liebesgabensammlung für die Wasserbeschädigten". Darin ist zu lesen: "Insbesondere war es die gefürchtete Laui in Giswil, welche verheerend gegen den Grossteil ausbrach und eine grössere Zahl fruchtbarer Matten mit Steinen, Schutt und Schlamm derart bedeckt, dass einigen Ortes nicht bloss der Jahresnutzen, sondern sogar der volle Bodenwert verloren ging." Und weiter: " Hervorgehoben werden muss sodann, dass die Betroffenen in Giswil fast durchwegs ärmere Leute sind, Leute, deren kärgliches Vermögen in einem sowieso verschuldeten, und nun verwüsteten, wenn nicht gänzlich vernichteten Grundeigentum angelegt war."

 

Entsprechend warm darum die Empfehlung der Regierung an die Bevölkerung, den Geschädigten so gut wie möglich finanziell Hilfe zukommen zu lassen.

 

 

 

 

Noch heute erinnert im Heimwesen Juch ein metallenes Kreuz an dieses grosse und furchtbare Unglück. Das Kreuz steht auf einer leicht erhöhten Stelle, die, wie erzählt wird, damals nicht überschwemmt war, weder von der Laui noch von den Grossteilerbächen.